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Warum laufen Männer eigentlich schneller als Frauen?

Warum laufen Männer eigentlich schneller als Frauen?; Bildquelle: Marco HeibelSchaut man sich die Weltrekorde im Laufen an, wird man feststellen, dass die Bestzeiten der Männer auf allen Distanzen – von den 100 Metern bis zum Marathon – jeweils knapp 10 Prozent schneller sind als die der Frauen. Woran genau liegt das? Warum laufen Männer schneller als Frauen?

Dass Männer die schnelleren Läufer sind, hat mit mehreren Faktoren zu tun, für die frau nichts kann. “Schuld“ ist die Pubertät. Während der männliche Körper durch das Sexualhormon Testosteron – vereinfacht ausgedrückt – muskulöser und somit geeigneter für sportliche Leistungen wird, richtet sich der weibliche Körper infolge der vermehrten Östrogenausschüttung auf eine mögliche Schwangerschaft ein.

Östrogen macht Frauen langsamer

Die Folgen des Östrogenschubes bei der Frau: Das Becken wird breiter, der Körperfettanteil nimmt stärker zu, auch Arme und Beine wachsen weniger stark als bei Männer. Die Folge ist ein niedrigerer Körperschwerpunkt. Weiterhin fallen das Herz- und Lungenvolumen geringer und der Hämoglobinspiegel niedriger aus, weswegen Frauen unter Belastung auch weniger Sauerstoff aufnehmen können.

Vereinfacht ausgedrückt: Männer wurden von der Evolution für das Jagen fit gemacht, Frauen nicht. Das ändert jedoch nichts daran, dass auch Frauen zu außergewöhnlichen sportlichen Leistungen fähig sind.

Wann wäre die Laufleistung bei Männern und Frauen gleich?

Laut einer Studie der University of South Georgia wären die Laufleistungen von Männern und Frauen nahezu identisch, wenn der prozentuale Körperfettanteil und der VO2max-Wert bei beiden Geschlechtern identisch wären. So geschehen bei jeweils acht Männern und Frauen, die im Rahmen dieser Untersuchung an einem 15-Meilen Rennen teilnahmen. Sie hatten alle einen Körperfettanteil von 17 Prozent und eine ähnliche VO2max – und erreichten fast zeitglich das Ziel.

Natürlich handelt es sich hierbei nur um ein interessantes Rechenspielchen. Frauen können die physiologischen Gesetzmäßigkeiten nicht durchbrechen. Auch die schnellste Frau wird bei gleichem Trainingszustand, mit optimalem Material und einem optimalen Laufstil niemals schneller sein als der schnellste Mann. Aber aus diesem Grund gibt es ja auch eine getrennte Geschlechterwertung.

Was bedeutet VO2max?

Geht es um die Bestimmung und Einordnung der Ausdauerleistung, fällt immer wieder der Begriff „Maximale Sauerstoffaufnahme“ bzw. VO2max. Trotzdem ist sie Vielen immer noch eine relativ unbekannte Größe. Was die VO2max aussagt, und wie man sie ermitteln und verbessern kann, erfährst Du hier.

Die VO2max steht für die maximale Menge an Sauerstoff, die ein Mensch unter Belastung aufnehmen, transportieren und in den Körperzellen verwerten kann. Ein hoher VO2max-Wert garantiert zwar nicht zwangsläufig gute Ausdauerleistungen, ist aber die Basis dafür.

Gemessen wird die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität eigentlich absolut, also in der Literanzahl Sauerstoff, die der Körper pro Minute aufnehmen kann. Diese Bestimmung hat jedoch einen Nachteil: Die Werte unterschiedlich konstituierter Sportler lassen sich kaum vergleichen. Aus diesem Grund greift man heute oft zur aussagekräftigeren relativen VO2max, welche auch die Körpermasse berücksichtigt. Die relative VO2max gibt an, wie viele Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm Körpergewicht in einer Minute aufgenommen (ml O2/min/kg) und verarbeitet werden können.

Wie erfahre ich meine VO2max?

Der direkteste und präziseste Weg, seine individuelle VO2max zu erfahren, liegt in einer Spiroergometrie (Atemgasanalyse). Eine solche Untersuchung kann man bei einem Sportmediziner oder Leistungsdiagnostiker durchführen lassen. Die Kosten liegen in der Regel im unteren dreistelligen Bereich.

Auf einem Laufband oder einem Ergometer werden die Atemgase des Probanden unter kontinuierlich steigender Belastung gemessen. Anhand der ausgeatmeten O2- und CO2-Konzentration kann man dann Rückschlüsse auf den Stoffwechsel, also auch auf die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität, ziehen.

Eine Alternative stellt der berühmt-berüchtigte Cooper-Test dar. Bei diesem alten Test der US Air Force wird die Strecke gemessen, die ein Läufer in 12 Minuten maximal zurücklegen kann. Der Cooper-Test ist allerdings weniger präzise als eine Atemgasanalyse, da hier Faktoren wie äußere Bedingungen und Tagesform einen größeren Einfluss haben.

Anhand folgender Formel kann man sich seine ungefähre VO2max selbst errechnen:

VO2max = (d12 – 505) : 45

d12 steht hierbei für die in 12 Minuten zurückgelegte Distanz in Metern. Bei einer in 12 Minuten zurückgelegten Strecke von beispielsweise 3.000 Metern würde das eine relative VO2max von 55,45 ml/min/kg. Doch wie kann man diesen Wert einordnen?

Einordnung des VO2max-Wertes

Inwieweit sich die VO2max-Werte einordnen lassen, ist umstritten. Viele international renommierte Sportwissenschaftler haben in den vergangenen Jahrzehnten teilweise deutlich voneinander abweichende Wertetabellen vorgelegt. Doch weitgehende Einigkeit besteht darin, dass hochtrainierte männliche Top-Ausdauerathleten einen VO2max-Wert zwischen 70 und 80 ml/min/kg erreichen können. Wer als Mann im Bereich von 50 bis 60 ml/min/kg liegt, darf sich zu den gut trainierten Sportlern zählen, während weniger gut ausdauertrainierte Männer meist auf Werte zwischen 30 und 40 ml/min/kg kommen. Bei Frauen liegen die Werte aufgrund anatomischer Unterschiede im Schnitt rund 10 Prozent unter denen der Männer.

VO2max und Herzfrequenz

VO2max und Herzfrequenz stehen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zueinander. So werden im Durchschnitt beispielsweise bei 50 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität 65 Prozent der maximalen Herzfrequenz erreicht, bei 80 Prozent der VO2max 87 Prozent der HFmax. Dies gibt Dir Möglichkeit, Deine Herzfrequenzwerte als Referenz zu nehmen, wenn Du an Deiner VO2max feilen möchtest.

Wie kann man seine VO2max verbessern?

Zunächst einmal die gute Nachricht: Jeder kann seine VO2max durch Training verbessern. Allerdings sind jedem Menschen genetische und physiologische Grenzen gesetzt.
Zum einen hängt die Trainierbarkeit vom Alter ab: Je jünger man ist, desto mehr Verbesserungsspielraum hat man.

Hinzu kommt, dass nicht jeder einen Traumwert von 60 oder 70 ml/min/kg erreichen kann. Ohne gute Gene kann man sich noch so mühen, irgendwann wird man an seine natürlichen Grenzen stoßen. Für alle gilt hierbei: Gasaustausch und Blutzellen sind kaum trainierbar, das Herzzeitvolumen (also das Volumen des Blutes, das innerhalb einer Minute vom Herz in den Blutkreislauf gepumpt wird) dagegen sehr wohl.

Ausdauersport-Anfänger können am leichtesten Effekte erzielen. Am Anfang genügt es nämlich bereits, Länge und Intensität der Trainingseinheiten leicht erhöhen. Ab einem gewissen Fitnessgrad musst Du allerdings andere Geschütze auffahren. Fortgeschrittene trainieren ihre VO2max am effektivsten durch Läufe im Bereich von 90 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Das bedeutet im Klartext: Streue neben Grundlageneinheiten vermehrt intensive Intervalle in Dein Training ein. Studien belegen, dass Bergläufe bzw. -sprints bei einem Steigungswinkel von 3 bis 10 Prozent den größten Effekt bringen.