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Wie groß ist der Nachbrenneffekt beim Laufen?

Laufen gilt als Wundermittel im Kampf gegen überschüssige Pfunde. Während des Trainings verbraucht der Organismus kräftig Energie. Doch auch danach ist die Stoffwechselaktivität eine ganze Weile erhöht.

Es ist logisch, dass ein Stoffwechsel, der während des Trainings auf Hochtouren arbeiten muss, nicht sofort in den „Ruhezustand“ herunterfährt, sobald die Belastung endet. So sind beispielsweise die Herzfrequenz und die Sauerstoffaufnahme noch eine ganze Weile erhöht. Auch die Körpertemperatur und der Stresslevel liegen kurz nach dem Training deutlich über dem Normalniveau.

Die Übergänge sind teilweise fließend. So wirken beispielsweise die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin anregend auf den Stoffwechsel, die Herztätigkeit und die Atmung. Doch das ist längst nicht alles, was den Kalorienverbrauch hochhält und zum Nachbrenneffekt beiträgt. Die Prozesse im Körper lassen sich im Groben in drei Phasen unterteilen.

Drei Phasen des Nachbrenneffekts

Phase 1: Unmittelbar nach dem Training bildet der Körper die schnellen Energielieferanten Adenosintriphosphat und Kreatinphosphat. Auch der Blutfarbstoff Hämoglobin und das Muskelprotein Myoglobin werden neu gebildet. Außerdem beginnen Nervensystem und Stoffwechsel umgehend, sich zu regenerieren. All diese Prozesse kosten Energie, sprich Kalorien.

Phase 2: Wenige Stunden nach dem Training ist die Eiweißverwertung im Körper besonders aktiv. Zum einen werden Proteine zu Aminosäureverbindungen umgewandelt und dem Körper schnell zugänglich gemacht, zum anderen werden in den Zellen Proteine hergestellt (Eiweißsynthese). Für diese Prozesse benötigt der Körper viel Energie, wobei der Energiebedarf nach einem Intervalltraining oder einem Tempodauerlauf höher ausfällt als nach einem gleichmäßigen Lauf im Wohlfühltempo.

Phase 3: Bis zu zwei Tage nach der Belastung wird nicht mehr übermäßig viel Energie in Folge des Trainings verbraucht. Ein paar Kalorien kommen aber immer noch zusammen. So bewirkt beispielsweise eine erhöhte Muskelspannung einen leicht erhöhten Energiebedarf.

Den Nachbrenneffekt erhöhen

Eine Studie der University of South Australia aus dem Jahr 2006 hat gezeigt, dass der Organismus nach einem intensiven Ausdauertraining mit Tempowechselläufen, Intervallen oder Fahrtspielen 10 bis 15 Prozent der während des Trainings verbrannten Kalorien zusätzlich verbraucht.

Ein Beispiel: Wer während eines harten Intervalltrainings 1.000 kcal verbrennt, kann durch den Nachbrenneffekt noch einmal 100 bis 150 kcal zusätzlich verbrauchen. Das entspricht ungefähr dem Kalorien-Gegenwert eines Bechers Joghurt. Moderates Ausdauertraining bewirkt der Studie zufolge zwar ebenfalls einen Nachbrenneffekt, doch der fällt mit rund 5 Prozent vergleichsweise gering aus.

Krafttraining produziert den höchsten Nachbrenneffekt

Wer den Nachbrenneffekt maximieren und effektiv abnehmen möchte, kommt an einem hochintensiven Krafttraining nicht vorbei. Hier sollen wissenschaftlichen Messungen zufolge sogar 20 Prozent zusätzlich möglich sein. Hinzu kommt der erhöhte Grundumsatz, den jedes Kilogramm Muskelmasse auch im Ruhezustand verbraucht.

Um effektiv abzunehmen, sollte man sein Lauftraining daher um gelegentliches intensives Krafttraining ergänzen. Generell gilt: Je fordernder die Belastung, desto länger ist der Organismus damit beschäftigt, sich zu regenerieren – und solange benötigt er mehr Energie.

Die richtige Laufbekleidung im Herbst

„Zu kalt, zu nass, zu ungemütlich“ gilt nicht. Wer im Herbst läuft, stärkt das Immunsystem, setzt Glückshormone frei und tut etwas für die schlanke Linie. Mit der richtigen Laufbekleidung kann dir das Herbstwetter nichts anhaben.

Der Schlüssel im Herbst lautet, mehrere Schichten zu tragen. Durch das „Zwiebelprinzip“ bleibt die Wärme im Körper, zugleich wird der Schweiß von der Haut weggeleitet.

Trage als unterste Schicht ein eng anliegendes Funktionsoberteil. Dieses transportiert den Schweiß vom Körper weg. Darüber solltest du je nach Temperatur etwas weiteres, leicht gefüttertes Langarmshirt oder eine Laufjacke tragen, sodass deine Körperwärme – vergleichbar mit einer Bettdecke – zwischen den Schichten gespeichert werden kann.

Nicht zu warm anziehen

Ideal sind Laufjacken und Oberteile mit Windstopper-Einsatz. Bei Niederschlag solltest du aus naheliegenden Gründen eine leichte Regenjacke als oberste Schicht tragen. Eine dritte Lage am Oberkörper wird je nach individuellem Empfinden oft erst bei Temperaturen um den Gefrierpunkt nötig.

Zieh dich also nicht zu warm an. Wer sofort nach dem Loslaufen schwitzt, trägt eine Schicht zu viel bzw. ein zu dickes Oberteil. Ideal gekleidet ist, wer zu Beginn ein leichtes Kältegefühl verspürt. Oft stellt sich nach fünf bis zehn Minuten dann eine angenehme Belastungstemperatur ein.

Beim Beinkleid ist die Wahl relativ einfach: Je nach Temperatur und Kälteempfindlichkeit bist du mit einer 3/4-Tight, einer langen Tight oder einer weiten, langen Laufhose aus Polyester/Polyamid für Temperaturen bis knapp unter 0°C perfekt ausgerüstet.

Handschuhe und Mütze

Besonders die Finger fangen im Herbst schnell an zu frieren. Je nach Kälteempfinden solltest du bereits bei gefühlten Temperaturen von 10°C leichte Sporthandschuhe tragen.

Mütze oder Beanie können ab 5 bis 10°C ebenfalls nicht schaden. Darunter sind sie fast Pflicht. An „klassischen“ Herbsttagen ist es dagegen oft noch mit einer Kappe oder einem Stirnband getan.

Der richtige Laufschuh für den Herbst

Herbstzeit ist Trailrunning-Zeit. Wer im Wald oder auf Feldwegen unterwegs ist, muss sich auf Pfützen und rutschige, teils auch tiefe Böden gefasst machen. Trage daher möglichst spezielle Trailrunningschuhe mit einer robusten Sohle und einem wasserresistenten Obermaterial, das die Füße zumindest in einem gewissen Umfang vor Spritzwasser schützt.

Auch Asphaltläufer sollten ihre Schuhwahl im Herbst überdenken. Die Kombination aus heruntergefallenem Laubwerk und Nässe macht auch asphaltierte Wege schnell zu einer Rutschbahn. Lass im Herbst den Barfußschuh oder den Lightweight Trainer öfters mal im Schrank und greif auf robustere Trainingsschuhe zurück. Passe außerdem deinen Laufstil und die Geschwindigkeit der Witterung und den Bodenverhältnissen an.

Sichtbar bleiben: Reflektoren und Lampen tragen

Ein wichtiger Faktor im Herbst ist auch das Sehen und gesehen werden. Da es schon am frühen Abend dunkel wird, solltest du das Haus nie ohne Stirnlampe, Reflektorbänder und/oder eine Leuchtweste verlassen.

LED-Lampen leuchten den Weg bis zu 15 Meter weit aus und können dich so vor Stolperfallen bewahren. Reflektoren machen dich für motorisierte Verkehrsteilnehmer weithin sichtbar.

Kopfschmerzen mit Laufen in den Griff bekommen

Laut einer Untersuchung der Universität Duisburg-Essen leiden acht Millionen Deutsche regelmäßig unter Kopfschmerzen. Doch es gibt eine gute Nachricht: Regelmäßiges Laufen reduziert die Zahl der Migräne- und Kopfschmerztage deutlich.

Eine Studie des Universitätsklinikums Kiel bestätigt, dass regelmäßige Bewegung sich positiv auf die Stärke, Häufigkeit und Dauer einzelner Migräneattacken auswirkt. In der Untersuchung wurde der Einfluss von Jogging und Walking auf Migränepatienten ermittelt. 28 Probanden trainierten zehn Wochen lang dreimal wöchentlich 30 Minuten bei moderatem Lauftempo, eine Kontrollgruppe betrieb dreimal pro Woche eine halbe Stunde lang Walking.

Laufen hilft besser gegen Migräne als Walking

Das Ergebnis: Die Migränetage der joggenden Probanden gingen um 17,2 Prozent pro Monat zurück, die Kopfschmerzstunden sogar um 21,8 Prozent. In der Walkinggruppe sanken die Migräneattacken lediglich um 1,3 Prozent pro Monat. Das ist nicht viel, verdeutlicht aber immerhin, dass selbst eine leichte Ausdauerbelastung einen positiven Einfluss auf die Migränehäufigkeit hat.

Es wird vermutet, dass das Laufen ein Ansteigen der Schmerzschwelle bewirkt, und der Körper dadurch auch gegen Kopfschmerzen widerstandsfähiger wird. Hinzu kommt, dass beim Ausdauersport Glückshormone produziert werden. In gleichem Maße sinkt bei Läufen in moderatem Tempo der Spiegel des Stresshormons Cortisol im Körper.

Die richtige Intensität wählen

Die Studienleiter raten Migränepatienten zu einem moderaten Lauftempo im aeroben Bereich. Übersetzt heißt das: Trainieren sollte man idealerweise bei 60 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Wer ohne Pulsuhr trainiert, sollte nur so laufen, dass er sich noch problemlos unterhalten kann. Vier bis fünf Schritte pro Atemzug solltest du schon schaffen. Sind es weniger, solltest du das Tempo ein wenig drosseln.

Hinweis: Bei akuten Kopfschmerzen kann Laufen die Symptome sogar noch verschlimmern, und gewisse Kopfschmerzarten, wie z.B. Clusterkopfschmerzen, können sogar durch Sport ausgelöst werden.

Training im Winter – Motivationstipps für harte Zeiten

Bildquelle: Jörg Birkel
Der Winter ist für viele Läufer wahrscheinlich die härteste Zeit des Jahres. Sich an einem sonnigen Frühlingsmorgen etwas früher zum Aufstehen zu motivieren, um noch vor der Arbeit den Kreislauf in Schwung zu bringen, ist nicht wirklich schwer. Doch dies bei Dunkelheit, Kälte oder Nässe zu tun, ist schon etwas anderes.

Ich persönlich habe mich lange Jahre damit schwer getan, im Winter mein Trainingspensum vom Frühling und Sommer aufrecht zu erhalten. Am Wochenende kann man ja immer einen Lauf (oder zwei) unterbringen, aber unter der Woche, wenn es draußen stürmt und schneit?

Als Berufstätiger bleiben einem nur zwei Möglichkeiten, unter der Woche zu laufen: morgens im Dunkeln oder abends im Dunkeln. Für was man sich entscheidet, ist eine Typ-, aber auch eine Gewohnheitsfrage. Im letzten Jahr fiel es mir leichter, morgens einen Lauf zu machen und den Schwung in den Tag mit hinein zu nehmen. In diesem Jahr haben sich meine Gewohnheiten etwas geändert, ich laufe nun lieber abends, direkt nach der Arbeit.

Doch viele Menschen geben im Herbst und Winter der Bequemlichkeit nach und bleiben lieber auf dem Sofa, schlechtes Gewissen inklusive. Dass das nicht sein muss, belegen sowohl meine eigenen Erfahrungen als auch sportpsychologische Erkenntnisse.

Eine Frage des Timings

Jeder Mensch hat so seine festen Gewohnheiten und Präferenzen, auch beim Sport. Ich bin da auch nicht anders. Während ich nur schwer vorstellen könnte, Krafttraining oder Fußball in den Morgenstunden unterzubringen, ist das mit Laufen oder Radfahren weniger ein Problem. Von diesen Gewohnheiten und Präferenzen sollte man meiner Meinung auch nicht abrücken. Ich kenne genug Menschen, die morgens erst langsam in Schwung kommen, dafür aber am Abend vor Energie nur so strotzen. Wer zu diesem Typ gehört, wäre wahrscheinlich schlecht beraten, morgens laufen zu wollen. Doch damit das überhaupt funktionieren kann mit dem Laufen bei widrigen Bedingungen, ist jede Menge gedankliche Vorarbeit nötig.

Sportpsychologie: Bausteine für Langzeitmotivation

Die Psychologie sagt, dass zwei Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Vorsatz eine Aussicht auf Erfolg hat:

– die Vorteile überwiegen die Nachteile (Fachbegriff: Konsequenzerwartung). Wer sich zu mehr Sport motivieren will, für den müssen die gesundheitlichen Vorteile (also Abnehmen, verbessertes Körpergefühl oder Formzuwachs) den Zeitaufwand und die Entbehrungen aufwiegen.

– man muss selbst davon überzeugt sein, das gesteckte Ziel auch zu erreichen (Selbstwirksamkeitserwartung). Realisten sind hier klar im Vorteil.

Weiterhin vertreten viele Psychologen mittlerweile die Ansicht, dass noch ein dritter Faktor eine wichtige Rolle spielt: die Quelle der Motivation. Ist es meine eigene Idee, bin ich in der Regel eher bereit durchzuhalten als wenn mein Umfeld mich zu etwas überreden will.

Wenn-Dann-Pläne gegen den inneren Schweinehund

Wenn der erste Anflug von Motivation verschwunden ist, macht man es sich oft leicht und sucht nach Ausreden, die das Vorhaben unmöglich machen, wie z.B. schlechtes Wetter, Dunkelheit oder ein stressiger Tag. Um diese Klippe zu umschiffen, raten Psychologen zum Erstellen von Aktivitätsplänen in „wenn…dann…“-Form. Zum Beispiel: Wenn ich mir vornehme, am nächsten Tag vor der Arbeit laufen zu gehen, stelle ich mir den Wecker um eine dreiviertel Stunde früher. Wenn es dann draußen trocken ist, ziehe ich mir meine Sportsachen an und gehe laufen etc.

Dass diese Pläne Erfolg versprechen, belegt eine Untersuchung aus dem Jahr 2008, die mehr als 90 Studien zu diesem Thema neu ausgewertet und miteinander in Verbindung gesetzt hat. Demnach wappnet sich jemand, der einen solchen Aktivitätsplan erstellt hat, eher für Eventualitäten; etwa, indem er sich frühzeitig auch Sportkleidung für Regen oder Kälte zulegt. Zum Gelingen eines solchen Planes gehört im Übrigen auch, sich selbst für erreichte Zwischenziele auf die Schulter zu klopfen.

Rückschläge richtig erklären

Rückschläge bleiben leider selbst dann kaum aus, wenn die Motivation groß ist. Hier ist es wichtig, die Fehler nicht an der eigenen Faulheit festzumachen. Wenn man beispielsweise mal eine Sporteinheit ausfallen lässt, weil es draußen Hunde und Katzen regnet oder das Thermometer minus 15 °C anzeigt, liegt der Fehler ja nicht zwangsläufig bei einem selbst. Man hat sich den Wecker rechtzeitig gestellt und alle Vorkehrungen getroffen. Nicht die eigene Faulheit ist also schuld, die äußeren Bedingungen sind es, die Sport im Freien deutlich erschweren oder sogar unvernünftig erscheinen lassen. Doch diese Argumentation greift nur, wenn sie die Ausnahme bleibt.

Optimismus

Ob man bei der Sache bleibt, hängt auch zu einem guten Teil von der Lebenseinstellung ab. Optimisten kommen eher an ihr Ziel. Das belegen zahlreiche Untersuchungen. Optimisten bzw. positiv eingestellte Menschen empfinden weniger Stress und nehmen kleinere Niederlagen nicht so schwer.

Positive Emotionen

Wenn es mir mal schwer fällt, mich aufzuraffen, versuche ich immer wieder das Gefühl an vergangene Läufe wachzurufen, bei denen ich mich leichtfüßig und glücklich gefühlt habe. Das ist gar nicht mal so schwer, denn rückblickend sind mir diese Läufe eher in Erinnerung geblieben als die, bei denen ich schwere Beine hatte oder meinen Rhythmus nicht gefunden habe.

Mund- oder Nasenatmung? – Die richtige Atemtechnik beim Laufen

Köln Marathon 2010; Bildquelle: Marco Heibel
In der Frage, ob man denn nun besser über Nase oder Mund atmen sollte, gehen die Meinungen auseinander. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Erfahrt hier, welche Atemtechnik wann angebracht.

Reine Nasenatmung

Die reine Nasenatmung, also das Ein- UND Ausatmen durch die Nase, ist für viele Läufer ungewohnt. Diese Atemtechnik hat jedoch den Vorteil, dass sie Euch davor „schützt“, zu schnell zu laufen. Bei großer Anstrengung kann sie auch von geübten Nasenatmern kaum noch aufrecht erhalten werden kann. Wer dagegen einen langsamen Lauf plant – und in Ermangelung eines Trainingspartners nicht auf das „Laufen ohne Schnaufen“-Prinzip zurückgreifen will, sollte es ruhig mal mit der reinen Nasenatmung versuchen.

Nase-Mund-Atmung

Die meisten Läufer atmen über die Nase ein- und über den Mund aus. Das Einatmen über die Nase hat vor allem bei niedrigen Temperaturen den Vorteil, dass die Luft bereits erwärmt in der Lunge ankommt. Schleimhäute, Bronchien und Nebenhöhlen werden so geschont. Wer durch den Mund ausatmet, kann üblicherweise ein höheres Tempo laufen als ein Nasenatmer.

Reine Mundatmung

Bei hoher Intensität, also ab dem Bereich der aerob-anaeroben Schwelle, werdet Ihr dann instinktiv auf die reine Mundatmung umsteigen. Das ist der einzige Weg, wenn man den Körper noch mit ausreichend Sauerstoff versorgen möchte. Schließlich ist der Mund größer als die Nasenlöcher, Ihr könnt also in der gleichen Zeit mehr Luft ein- und ausatmen.

Allerdings solltet Ihr nur dann zur reinen Mundatmung greifen, wenn Ihr wirklich am Limit lauft. Gerade Laufanfänger holen sich bei der reinen Mundatmung das berühmt-berüchtigte Seitenstechen.

Eines gilt jedoch für alle: Atmet nicht nur intensiv und lange ein, sondern auch aus. Logisch: Je mehr Luft Ihr ausatmet, desto mehr frischen Sauerstoff könnt Ihr wieder einatmen, desto besser werden die Muskeln versorgt. Versucht dabei, möglichst über den Bauch zu atmen. Atmet Ihr flach über die Brust, nutzt Ihr Euer Potenzial nicht voll aus.

Der Open Window-Effekt – Wenn Krankheiten Tür und Tor geöffnet ist

In der kalten Jahreszeit sind viele Menschen besonders anfällig für Erkältungen und Infektionen. Wind, Kälte und Nässe setzen auch Läufern zu, obwohl denen eigentlich ein starkes Immunsystem nachgesagt wird. Das Problem liegt im Open Window-Effekt.

Nach intensivem Sport ist unser Immunsystem sommers wie winters bis zu 72 Stunden geschwächt. Der Grund: Der Anteil der für die Immunabwehr so wichtigen weißen Blutkörperchen (Leukozyten) nimmt unmittelbar nach intensiver Belastung zunächst zu, um bereits nach wenigen Stunden stark abzufallen. Die Folge ist eine erhöhte Infektions- und Erkältungsanfälligkeit. Was wir im Sommer aufgrund hoher Außentemperaturen meistens gut kompensieren können, führt im Herbst und Winter nicht selten zu grippalen Infekten. Das Immunsystem regeneriert sich zwar wieder, doch für einen Korridor von mehreren Tagen ist das Tür für Krankheiten weit offen. Und diese Tür gilt es, möglichst klein zu halten.

Dem Open Window-Effekt keine Chance: Krankheiten vorbeugen

Laufen kann sowohl gut als auch schlecht sein für das Immunsystem. Das ist kein Widerspruch, sondern nur eine Frage der Dosierung. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass zwei bis fünf Stunden Ausdauersport in der Woche das ideale Maß für ein gesundes Immunsystem sind. Wer mehr trainiert (und dabei auch noch hart) ist dagegen mindestens genauso anfällig für den Open Window-Effekt wie ein Nicht-Sportler.

Dem entsprechend ist es das beste und einfachste Mittel, ein ausgewogenes Verhältnis aus Belastung und Erholung zu finden. Dazu zählt auch ausreichender Schlaf. Beim Laufen ist funktionelle Bekleidung, getragen nach dem Zwiebelprinzip, die beste Wahl. Danach solltest Du so schnell wie möglich ins Warme und trockene Sachen anziehen bzw. schnellstmöglich duschen. Und ein alter Tipp von Mutti hat auch heute noch Gültigkeit: Nie mit nassen Haaren vor die Tür gehen.

Doch auch mit entsprechender Ernährung lassen sich Infekte vermeiden. Obst und Gemüse sollten zwar ganzjährig auf dem Speiseplan stehen, doch gerade im Winter werden sie noch einmal wichtiger. Die Ernährung sollte recht eiweißhaltig sein, da Proteine das Immunsystem unterstützen. Helles Fleisch, Fisch, Hülsenfrüchte und Nüsse sind gute Proteinquellen. Außerdem solltet Ihr viel trinken, damit die Schleimhäute nicht austrocknen.

Was tun, wenn’s zu spät ist? – Tipps zur Genesung

Ist das Kind dann sprichwörtlich in den Brunnen gefallen, ist die wichtigste Maßnahme eine Trainingspause. Vor allem bei Fieber solltet Ihr jegliche sportliche Aktivität einstellen und auch nach der Genesung am besten zwei oder drei Tage warten, ehe Ihr wieder ins Training einsteigt. Wer weiter trainiert, verschleppt seinen Infekt nur und wird vermutlich noch länger zur vollständigen Genesung benötigen. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) kommen, die sich leider im häufiger in Form des so genannten „plötzlichen Herztodes“ äußert.

Doch auch wer „nur“ einen Schnupfen hat, sollte sein Training reduzieren und sich vor allem intensive Belastungen schenken. Abgesehen davon, sind viele von uns aber im Krankheitsfall ohnehin so abgeschlagen, dass die Lust auf harten Sport fast von alleine vergeht.

Nüchternlauf: Pro und Contra

Der Nüchternlauf ist ein umstrittenes Thema. Die einen raten dazu, weil der Frühsport ein gutes Fettstoffwechseltraining darstellt, andere halten Laufen mit leeren “Tanks“ sogar für gefährlich. Was soll man denn nun tun?

Das Prinzip hinter dem Sport vor dem Frühstück ist eigentlich sehr einleuchtend: Da unser Körper sich nicht mehr Arbeit macht als unbedingt nötig, greift er unter Belastung bevorzugt auf schnell verfügbare Energiequellen zurück. Das sind die in den Glykogenspeichern eingelagerten Kohlenhydrate. Sind die Glykogenspeicher jedoch (weitgehend) leer, wie etwa nach einer Nacht und rund 12 Stunden ohne Nahrungsaufnahme, dann muss der Körper sich eben eine andere Versorgungsquelle suchen. Und seine „Wahl“ fällt auf die Fette.

Nüchternlauf: Training für den Fettstoffwechsel

Wer mit leeren Glykogenspeichern Sport treibt, trainiert in erster Linie seinen für Ausdauerleistungen so wichtigen Fettstoffwechsel. Eine Studie der Universität Birmingham (Großbritannien) belegt das: Die Studienleiter ließen 14 Probanden dreimal wöchentlich eine Stunde lang bei mittlerer Intensität Rad fahren und zusätzlich nach einer 60-minütigen Unterbrechung noch einen Sprint absolvieren. Während sieben der Teilnehmer vor dem Training nach Belieben essen und trinken durften, mussten die anderen sieben die Sporteinheit nüchtern absolvieren. Das Ergebnis: Die Nüchternsportler waren zwar sowohl beim Radfahren als auch vor allem beim Sprint weniger leistungsfähig, sie verbrannten jedoch prozentual mehr Fett als die Kontrollgruppe.

Aber Obacht: Eine verbesserte Fettverbrennung bedeutet nicht, dass die Fettpolster an Bauch oder Hüften nur so dahin schmelzen. Ob wir ab- oder zunehmen, hängt allein von der Energiebilanz ab. Sind nur wenige Kohlenhydrate verfügbar, lernt der Körper jedoch, möglichst viel Energie aus den Fettdepots zu ziehen, die um ein Vielfaches größer sind als die Glykogenspeicher.

Ganz wichtig festzuhalten ist aber, dass wir beim Sport mit leeren Glykogenspeichern weniger leistungsfähig sind, weswegen beispielsweise ein Krafttraining mit leeren Glykogenspeichern keinen Sinn macht. Und wer nüchtern laufen möchte, sollte es ruhig angehen und vor allem nicht zu lange unterwegs sein. Denn mit der Zeit sinkt der Blutzuckerspiegel, und man verliert Konzentration und Power.

Plädoyer für den gemäßigten Nüchternlauf

Sollte man Nüchternläufe also ganz sein lassen? Die Antwort lautet: jein. Solange die Intensität gering ist und der Lauf kurz gehalten wird, kann zum Beispiel eine von drei oder vier Einheiten pro Woche durchaus auch mit leeren Glykogenspeichern durchgeführt werden.

Ansonsten gilt: Wer lange oder hart trainieren möchte, sollte in jedem Fall zwei oder drei Stunden vor dem Training Kohlenhydrate zu sich genommen haben. Doch auch hier gibt es wieder ein „Problem“ – zumindest für Ausdauerathleten: Wer beispielsweise für einen Marathon trainiert, sollte im Vorfeld von 20- oder 30-Kilometerläufen im Training eher protein- als kohlenhydratreich frühstücken. Ansonsten würde der Körper bei einem langen Ausdauerlauf nämlich nicht wie geplant schwerpunktmäßig auf die Fett-, sondern auf die Kohlenhydratreserven zurückgreifen – eben getreu dem Motto, zuerst das zu verbrennen, was schnell verfügbar ist.

Die zehn größten Irrtümer beim Lauftraining

Falsch trainiert?; Bildquelle: Christian Riedel
Mythen und Halbwahrheiten zum Lauftraining gibt es viele. Ich habe für Euch die aus meiner Sicht zehn geläufigsten Irrtümer gesammelt.

Laufirrtum Nummer 1: Viel hilft viel – Kilometerfressen & Co.

Auch heute leben relativ viele Läufer in dem Glauben, dass nur Kilometersammeln sie besser macht. Dabei ignorieren viele jedoch, dass ihr Körper auch Pausen benötigt – und zwar nicht nur für die Psyche, sondern auch um den im Training gesetzten Reiz zu verarbeiten und in eine Formsteigerung umzuwandeln (Stichwort: Superkompensation).

Einsteiger sollten nach einem Lauf mindestens einen Tag pausieren, erfahrenere Läufer können auch beispielsweise nach einem 3:1:2:1-Rhythmus (3 Tage Training, 1 Tag Pause, 2 Tage Training 1 Tag Pause) verfahren. Weiterhin erhöhen viele Läufer auch ihre Trainingsumfänge zu schnell und riskieren so ein Übertraining.

Laufirrtum Nummer 2: Wer lange Schritte macht, ist schneller

Ein 100 Meter-Sprinter nähert sich mit hoher Frequenz und großen Schritten seinem Ziel. Würde er kleine machen, würde ihm die Konkurrenz davon laufen. Doch was auf der Kurzstrecke sinnvoll ist, muss für einen Langstreckenläufer nicht die beste Technik sein. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass ein kürzerer Schritt bei entsprechend höherer Schrittfrequenz auf der Langstrecke schneller ist.

Wer kürzere Schritte macht, setzt mit dem Fuß automatisch eher unter dem Körperschwerpunkt auf und verschwendet so weniger Energie, als wenn er ihn weit vor dem Körperschwerpunkt aufsetzen würde. Denn damit würde man sich selber abbremsen. Wer sich an das Motto „Vokuhila“ (vorne kurzer, hinten langer Schritt) hält, wird auf der Langdistanz schneller und ökonomischer unterwegs sein.

Laufirrtum Nummer 3: Gehen ist ein Zeichen von Schwäche

Vor allem Laufanfänger möchten sich nicht die Blöße geben, zwischendurch zu gehen und lassen es mit dem Laufen daher schnell wieder bleiben. Dabei ist Gehen zwischendurch keine Schande. Gerade Einsteiger sollten sogar Geh- oder Walkingpassagen in ihr Training einbauen, um sich nicht direkt zum Start zu übernehmen. Insofern ist Gehen ein Zeichen von intelligenter Trainingsplanung.

Außerdem kurbeln kurze Pausen beim Sport die Fettverbrennung an, wie eine Studie der Universität Tokio aus dem Jahr 2008 gezeigt hat. Natürlich fällt dieses Plus nicht so hoch aus wie bei schnellen Läufern, die Tempopassagen mit Trabpausen abwechseln, aber immerhin.

Laufirrtum Nummer 4: Zum Ende der Trainingseinheit noch einmal richtig anziehen

Dass man im Wettkampf noch einmal alles aus sich heraus holt, wenn das Ziel bereits vor Augen ist, versteht sich von selbst. Doch obwohl immer gepredigt wird, dass man trainieren muss, was man im Wettkampf abrufen möchte, gilt hier die große Ausnahme. Nach einem Trainingslauf von beispielsweise einer Stunde im Grundlagenbereich in den letzten 10 Minuten noch einmal auf das Tempo zu drücken, hat nicht nur keinen physiologischen Effekt, sondern erhöht auch die Verletzungsgefahr und verlangsamt die Regeneration.

Allenfalls gelegentlich eingestreute kurze Steigerungsläufe (maximal 100 Meter) machen am Ende der einen oder anderen Trainingseinheit Sinn. Ansonsten gilt: Für Tempotraining separate Einheiten einlegen.

Laufirrtum Nummer 5: Essen macht den Nachbrenneffekt zunichte

Besonders hartnäckig hält sich das Gerücht, dass man nach dem Training mindestens zwei Stunden mit dem Essen warten sollte, um den Nachbrenneffekt nicht zu stoppen. Dabei sollte man genau umgekehrt vorgehen: Idealerweise nimmst Du bereits in der ersten halben Stunde nach dem Laufen eine kohlenhydrat- und proteinreiche Mahlzeit zu Dir. Diese beschleunigt die Regeneration und verhindert, dass Dein Körper aus Mangel an verwertbarer Energie Deine Muskeln angreift.

Und abgesehen davon, dass es wenig Spaß macht, hungrig auf die Uhr zu schauen, bis man wieder etwas essen darf, wird auch der Nachbrenneffekt nicht durch Nahrungsaufnahme beeinträchtigt.

Mythen und Halbwahrheiten zum Lauftraining gibt es viele. Vor allem die Themen Krafttraining, Fettstoffwechsel und Stretching sind häufig davon betroffen. Im zweiten Teil decken die netzathleten erneut fünf weit verbreitete Lauf-Irrtümer auf.

Laufirrtum Nummer 6: Nur Dicke sollten im Fettstoffwechselbereich trainieren

Der Begriff Fettstoffwechselbereich bezeichnet die Pulszone, in der der Körper anteilsmäßig die meiste Energie aus seinen Fettreserven bezieht. Dieser Bereich liegt in aller Regel im Bereich von etwa 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz.

Dass Übergewichtige und Anfänger vor allem ihren Fettstoffwechsel trainieren sollten, liegt einerseits daran, dass diese moderate Art des Trainings leichter für sie zu bewältigen ist als schnellere Läufe; vor allem aber werden bei langsamen Läufen im Fettstoffwechselbereich die Ausdauergrundlagen für schnellere bzw. längere Läufe gelegt.

Aus dem gleichen Grund stehen Ausdauerläufe im Fettstoffwechselbereich allerdings auch auf dem Trainingsplan von ambitionierten Läufern. Mindestens einmal pro Woche sollten auch sie langsam und weit laufen, damit ihr Körper lernt, möglichst sparsam mit seinen nur begrenzt vorhandenen Glykogenreserven umzugehen. Nur ist bei ihnen der Anteil der flotteren Läufe höher als bei schlechter trainierten Läufern.

Laufirrtum Nummer 7: Wer im Fettstoffwechselbereich läuft, nimmt schneller ab

Ein Irrtum ist es zu glauben, dass man am schnellsten abnimmt, wenn man immer im Fettstoffwechselbereich trainiert. Die Ursache dieses Laufmythos ist einfach, dass der Begriff Fettstoffwechseltraining häufig fälschlicherweise mit Fettabbau gleichgesetzt wird. Entscheidend für die Frage, ob man abnimmt oder zunimmt, ist allerdings allein die Energiebilanz. Sprich: Nur wer über einen längeren Zeitraum mehr Kalorien verbrennt als er zu sich nimmt, baut Fett ab.

Wer effektiver abnehmen möchte, sollte versuchen, seinen Kalorienverbrauch beim Sport zu erhöhen. Und der ist beispielsweise bei einem 60-minütigen Intervalltraining (z.B. 10 x 400 Meter mit Trabpausen, inkl. Ein- und Auslaufen) deutlich höher als bei einem 60-minütigen Lauf im Fettstoffwechselbereich.

Laufirrtum Nummer 8: Krafttraining sorgt nur für unnötige (Muskel-)Masse

Viele Läufer meiden Krafttraining immer noch wie der Teufel das Weihwasser. Der Gedanke, dass man langsamer wird, wenn man überflüssige (Muskel-)Masse mit sich herumschleppt, ist ja auch nur allzu nahe liegend.

Doch was wäre, wenn die Muskelmasse einen sogar schneller machen würde? Zunächst einmal kann ja auch gar nicht die Rede davon sein, dass ein Läufer sich 5 Kilo Muskelmasse drauf packen muss. Doch auch das größte Leichtgewicht sollte zumindest eine stabile Rumpfmuskulatur auf der Laufstrecke besitzen. Immerhin ist der Rumpf eine Art Gerüst für unseren Körper, an das die Arme und Beine gewissermaßen nur „aufgehängt“ sind. Man stelle sich nun vor, dass das Gerüst instabil ist. Was ist die Folge? Die Extremitäten können nicht „rund“ arbeiten.

Vor allem wenn ein Läufer an die Reserven gehen muss, sieht man immer wieder Sportler, die aufgrund einer schwachen Bauch-, Rücken, oder Gesäßmuskulatur einknicken und unnötige Energie aufwenden müssen, um vorwärts zu kommen. Bereits 30 Minuten ergänzendes Krafttraining pro Woche kann deinen Laufstil deutlich optimieren.

Laufirrtum Nummer 9: Trinken, trinken, trinken

Dieser Mythos ist nur bedingt falsch. Natürlich muss ein Läufer viel trinken; und zwar vor, während und nach dem Sport. Trinkt er zu wenig, dehydriert er und hat nach gewisser Zeit keine Power mehr.

Allerdings kann man auch zu viel trinken. Vor allem, wenn man ausschließlich Wasser konsumiert, werden viele Salze aus dem Körper gespült. Geschieht das, kann sich Wasser in der Lunge ansammeln (Hyponatriämie), und es kommt zu Atembeschwerden.

Aus diesem Grund sollten Sportler bei warmen Wetter, langen Trainingsläufen oder Wettkämpfen von mehreren Stunden Dauer zwar das Trinken nicht vergessen, aber a) auch elektrolyt- und kohlenhydratreiche Getränke konsumieren und b) idealerweise nur so viel zu trinken, wie sie durch die Bewegung auch ausgeschwitzt haben.

Laufirrtum Nummer 10: Stretching vor, während und nach jeder Einheit

Vermutlich ist kaum ein Fitness-Thema in den letzten Jahren so kontrovers diskutiert worden wie die Frage, wann, wie und wie häufig man sich dehnen sollte. Die Antwort schwankt nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen von Sportart zu Sportart. So sollten Sportler aus Schnellkraftdisziplinen sich nur dynamisch (also federnd) dehnen. Ein langes Halten der Spannung, wie es beim „klassischen“, statischen Dehnen üblich ist, würde dagegen dem Muskel unter anderem die Explosivität nehmen.

Jogger sollten sich dagegen bevorzugt nach langsamen Laufeinheiten oder an lauffreien Tagen dehnen. Denn mittlerweile ist erwiesen, dass statisches Dehnen lediglich die Beweglichkeit erhöht und den Muskeltonus senkt. Verletzungen vorbeugen und die Regeneration beschleunigen kann es entgegen der landläufigen Meinung dagegen nicht. Im Gegenteil: Wer nach einer harten Einheit dehnt, riskiert sogar, dass durch die Belastung entstandenen Mikrotraumen in der Muskulatur noch größer werden und die Regenerationszeit sich noch verlängert.

Worauf es beim Laufschuhkauf ankommt

Laufschuhe kaufen könnte so einfach sein: Rein ins Geschäft, ein modisches Paar greifen, kurz anprobieren, bezahlen, fertig. Ganz so unkompliziert ist es leider nicht. Wer lange Freude an seinem neuen Paar Schuhe haben möchte, sollte ein paar Dinge unbedingt beachten.

Moderne Lauf-, aber auch Fußball- oder Basketballschuhe sind mittlerweile hochtechnisierte Spezialwerkzeuge. Und alles was speziell ist, passt nicht zu jedem. Wer einen Schuh-Fehleinkauf vermeiden will, kommt daher an einer ausgiebigen Beratung im Fachgeschäft kaum vorbei.

Das richtige Fachgeschäft finden: Qualität statt Quantität

Ein gutes Laufgeschäft erkennt Ihr an verschiedenen Merkmalen: Massen an Schuhen – wie etwa in einem Schuhdiscounter – werdet Ihr im Verkaufsraum eines guten Geschäfts kaum finden. Stattdessen wirkt das Sortiment auf den ersten Blick eher überschaubar, wenn nicht gar klein. Gute Geschäfte limitieren sich bei der Besetzung ihres Sortiments häufig selbst, Auslaufmodelle oder Ladenhüter werden hier normalerweise nicht mehr ausgestellt.

Die Schuhe in einem guten Fachgeschäft sollten in kleinerem Maßstab ungefähr den Anteil der gesunden sowie der von Fehlstellungen geplagten Läufer widerspiegeln: Die Verteilung sollte also bei jeweils 45 Prozent Schuhen für Überpronierer und neutrale Läufer und bei 10 Prozent Schuhen für Supinierer liegen.

Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist das technische Equipment im Verkaufsraum, in der Regel zumindest aus einem Laufband und einer Videokamera bestehend. Hiermit lassen sich die Laufbewegungen der Kunden unter biomechanischen Gesichtspunkten untersuchen.

Was einen qualifizierten Verkäufer ausmacht

Der wichtigste Faktor ist jedoch der Verkäufer. Ist er qualifiziert und möchte nicht bloß irgendetwas verkaufen, wird er Euch nicht sofort mehrere Paare zum Anprobieren bringen. Vielmehr wird er sich nach Eurer Trainingsintensität, Eurer Lauferfahrung, Eurem bevorzugten Streckenbelag oder Euren Ambitionen erkundigen. Auch die Frage nach häufiger auftretenden Problemen oder orthopädischen Einlagen sollte nicht fehlen.

Außerdem wird er Euch möglicherweise bitten, Schuhe und Socken auszuziehen. Ein Blick auf die nackten Füße gibt dem Fachmann Hinweise auf mögliche Achsabweichungen des Bewegungsapparates. Erst aufgrund all dieser genannten Faktoren und einer Laufstilanalyse auf dem Laufband kann er dann die Auswahl der für Euch in Frage kommenden Schuhe eingrenzen.

Zur Ehrenrettung der Verkäufer muss man aber sagen, dass gut ausgerüstete Laufgeschäfte mittlerweile auch fast nur noch qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Selbst ist der Käufer – 7 Tipps für den Laufschuhkauf

Ihr selbst könnt aber auch Euren Beitrag auf dem Weg zum richtigen Laufschuh leisten. Dies sind die wichtigsten Tipps:

1.) Schuhe in der zweiten Tageshälfte anprobieren

Kauft Eure neuen Schuhe nachmittags oder abends. Eure Füße sind gegen Ende des Tages wegen der Erschlaffung des Längsgewebes der Fußmuskulatur und der Erweiterung der Blutgefäße bis zu einer halben Nummer größer als am Morgen.

Bei gutem Fersensitz sollte der Abstand der Zehenspitzen zur Schuhkante etwa eine Daumenbreite betragen, weil der Fuß während der Abstoßbewegung im Schuh nach vorne rutscht.

2.) Zeit nehmen

Nehmt Euch so lange Zeit bei der Anprobe, bis Ihr wirklich sicher seid. Die wenigsten Händler nehmen getragene Schuhe zurück.

3.) Alte Laufschuhe mitbringen

Bringt Eure alten Laufschuhe mit ins Geschäft. Deren Sohlen geben dem Verkäufer Hinweise auf Fehlstellungen und fehlerhaftes Abrollverhalten.

4.) Orthopädische Einlagen mitbringen

Bringt außerdem Eure orthopädischen Einlagen mit, falls Ihr welche besitzt. Schließlich müssen Laufschuh und Einlage eine Einheit bilden und sollten daher aufeinander abgestimmt sein.

5.) Eigene Laufsocken mitbringen

Nehmt Eure (hoffentlich frisch gewaschenen) Laufsocken mit zur Anprobe. Dünne Anzugsocken oder dicke Baumwollsocken verfälschen nur den Größeneindruck

6.) Teurer muss nicht besser sein

Schaut ruhig auch ein bisschen auf den Preis. Da teurere Schuhe selten länger halten, spricht bei zwei gleichwertigen Modellen eigentlich nichts das günstigere Paar – zumindest sofern die Optik für Euch eine untergeordnete Rolle spielt.

7.) Jeder Schuh ist anders, auch beim gleichen Modell

Wenn Ihr von Eurem aktuellen Modell so begeistert seid, dass Ihr ein abgelaufenes bloß durch ein neues ersetzen wollen, gilt: Jeder Schuh anders ist – unabhängig davon, dass das Modell das gleiche ist. Außerdem hat Euer alter Schuh durch die Abnutzung ganz andere Eigenschaften als ein neuer des gleichen Modells. Daher solltet Ihr auch identische Modelle vor dem Kauf immer erst anprobieren und Probe tragen.