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Powerstoff aus Sauerstoff? – O2-Mineralwasser versprechen mehr als sie halten

Der Markt für Sportgetränke ist hart umkämpft. Neben diversen isotonischen Durstlöschern, buhlen seit rund zehn Jahren auch diverse Mineralwasser, die mit Sauerstoff (O2) angereichert sein sollen, um die Gunst der Käufer. Dank der Kraft des Sauerstoffs sollen gerade Ausdauerathleten einen Extra-Schub erhalten, versprechen die Hersteller. Die wenigsten haben je daran geglaubt, doch jetzt ist die Wirkungslosigkeit bewiesen.

Wasser + Sauerstoff = Leistung?

Die Rechnung hört sich zunächst logisch an. Was braucht ein Sportler, um Leistung zu bringen? Viel trinken muss er, und ausreichend Sauerstoff braucht er auch. Viele Läufer schinden sich in stundenlangen Einheiten, um in Form zu kommen. Da kommt ein Getränk, das einem den Sauerstoff so unkompliziert liefert (und ganz nebenbei nicht auf der Dopingliste steht) gerade recht.

Das Ganze hat natürlich auch seinen Preis. Mit Sauerstoff angereichertes Mineralwasser ist etwa drei- bis viermal so teuer wie herkömmliches Mineralwasser. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wenn der Effekt auch drei- bis viermal so hoch wäre.

Studien belegen: Effekt gleich Null

Das mit dem Effekt ist aber so eine Sache. So ist die Verbraucherschutzorganisation foodwatch der Sache im vergangenen Jahr auf den Grund gegangen. Als Untersuchungsobjekt hat man sich den deutschen Marktführer Adelholzener und dessen Produkt „active O2“ herausgepickt.

Das Unternehmen verspricht, dass sein Wasser 15-mal so viel Sauerstoff enthält wie herkömmliches Wasser. Und das Ganze gibt es nicht nur in der klassischen Form, sondern auch in verschiedenen Geschmacksrichtungen, wie Apfel-Kiwi oder Orange-Limone. Laut Adelholzener kommt der Sauerstoff-Kick daher, dass der im Wasser gelöste Sauerstoff nicht in die Lunge, sondern durch die Magenwand über das venöse Blut in die Leber strömt – also dorthin, wo beispielsweise auch das für Sportler so wichtige Glykogen gespeichert wird.

Studien haben dies auch bestätigt. Allerdings weißt foodwatch zu Recht darauf hin, dass diese Untersuchungen einen Haken haben: Zum einen wurden sie an Kaninchen durchgeführt, zum anderen konnte nicht bewiesen werden, ob die Tiere dadurch ihre sportliche Leistungsfähigkeit steigern konnten…

Es gibt aber auch Studien am Menschen. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 an Leistungssportlern konnte lediglich ein Effekt im Bereich von weniger als einem Prozent gemessen werden. Als die Studie 2005 wiederholt wurde, war allerdings auch dieser Effekt nicht mehr zu ermitteln.

Wer nicht gerade unter Atemwegerkrankungen leidet, führt seinem Körper auch über die Lunge genug Sauerstoff zu, um sportliche (Höchst-)Leistungen zu erbringen. Abgesehen davon: Angesichts eines durchschnittlichen Lungenvolumens von etwa 3 Litern beim Durchschnittsbürger – bei Spitzenausdauersportlern wurden sogar bis zu 10 Liter gemessen – wirken die 0,08 Gramm Sauerstoff, die in einem Liter O2-Wasser enthalten sind, geradezu mickrig.