Schmerzen beim Laufen: Was kann helfen?

Marco Heibel Laufstilanalyse; Bildquelle: Jörg BirkelWer beim oder nach dem Laufen Schmerzen hat, trainiert entweder ganz normal weiter und hofft auf Besserung oder legt eine Trainingspause ein. Der nächste logische Schritt ist dann der Gang zum Arzt. Doch was, wenn auch dessen Maßnahmen nicht anschlagen?

Schmerzen beim Laufen: Den passenden Laufschuh finden

Die Wurzel allen Übels kann in der Wahl des falschen Laufschuhs liegen. Passt der nicht zum Träger, sind Fehlbelastungen vorprogrammiert. Eine Laufstilanalyse kann dabei helfen, den Schuh als Problemherd auszuschließen. In gut ausgestatteten Laufgeschäften findet man das nötige Equipment: ein Laufband und eine Kamera.

Im Idealfall verfügt das Laufgeschäft sogar über eine Bewegungsanalysestation. Hierbei wird ein Computer mit zahlreichen Informationen über den Läufer und seine Laufeigenschaften gefüttert. So gibt ein Footscan Aufschluss über den Fußtyp und die Druckverteilung im Schuh. Mit Hilfe einer Videokamera bewertet das System u.a. die Beinachsen und die Beweglichkeit im Sprunggelenk. Beim Barfußlauf auf dem Laufband wird dann der gewohnheitsmäßige Fußaufsatz ermittelt (Ferse, Mittelfuß oder Vorfuß). Weiterhin wird das System mit Faktoren wie Gewicht, Trainingspensum und Trainingsziel des Läufers gefüttert. Anschließend spuckt das System dann eine Schuhempfehlung für den Läufer aus.

Im Idealfall sind die Probleme mit dem Kauf eines passenden Laufschuhs behoben. Wenn jedoch biomechanische Ungereimtheiten vorliegen, treten die Beschwerden mit hoher Wahrscheinlichkeit bald wieder auf. Was dann?

Schmerzen beim Laufen: Bewegungsanalyse und Körperstatikvermessung

„Viele Beschwerden beim Laufen sind die Folge von muskulären Dysbalancen oder ‘Ungereimtheiten‘ im Bewegungsapparat“, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Oliver Elsenbach. Der Leiter des Kompetenzzentrums Sport (Komsport) in Köln wählt bei seiner Analyse einen ganzheitlichen Ansatz: Elsenbach kontrolliert zunächst die Abnutzung der alten Schuhe und die der Einlagen. Dann ermittelt er mittels eines Footscans die Druckverteilung im Schuh. „Meistens gewinne ich so schon einen Eindruck, wo das Problem liegen könnte und erkenne, ob der Schuh für den Läufer überhaupt geeignet ist.“

Ein anschließender Funktionstest der Füße und der Sprunggelenke sowie eine manuelle Diagnostik des Beckenstandes und der Beinlänge geben Elsenbach Hinweise auf muskuläre Dysbalancen oder Blockaden.

Bei einer Bewegungsanalyse auf dem Laufband folgt dann die endgültige Bestätigung. Hierbei wird der Läufer je nach Problembereich von der Seite oder von hinten beim Barfußlauf gefilmt. An relevanten Messpunkten markiert (z.B. Fersenbein, Wade oder Kniekehle), werden (unbewusste) Fehler im Bewegungsablauf in der anschließenden Zeitlupenanalyse sogar für den Laien leicht ersichtlich.

Schmerzen beim Laufen: Einlagenversorgung

Versprechen ein Schuhwechsel, eine Umstellung der Lauftechnik oder (zusätzliches) Athletiktraining keine deutliche Besserung mehr, sind orthopädische oder sensomotorische Einlagen oft die erfolgversprechendste Lösung. Die Einlagen sollten von Orthopädie-Schuhmachern individuell nach dem Beschwerdebild angefertigt werden. Die Kosten halten sich in Grenzen, sie werden zu einem Großteil von den Krankenkassen übernommen.

Doch zu übergroßer Euphorie besteht trotzdem kein Anlass: „Eine Einlage alleine kann einen Läufer nicht unbedingt ‘gesund‘ machen. Aber in Kombination mit regelmäßigen Dehn- und Kräftigungsübungen sowie Fußgymnastik kann sie einen Beitrag zum beschwerdefreien Laufen leisten“, sagt Orthopädie-Schuhtechnikermeister André Hänchen von Gangart. Gute Einlagen erkennt man vor allem daran, dass sie sich unterscheiden. „Kein Läufer hat links und rechts die gleichen ‘Problemzonen‘. Dementsprechend muss jede gute Einlage absolut einzigartig sein und zu 100 Prozent an den Fuß anpasset sein“, führt Hänchen aus. Der Fachmann rät nach spätestens einem Jahr zu einer Einlagenkontrolle. So lassen sich Körperveränderungen nachprüfen und je nach Bedarf neue Einlagen anfertigen.

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