Archiv für 1. September 2012

Typfrage – Der perfekte Laufschuh

Jeder Laufschuh ist anders. Kein Wunder, dass viele Läufer mehrere Paare im Schrank haben. Doch welcher Laufschuhtyp passt für welchen Typ Läufer?

Moderne Laufschuhe sind Präzisionswerkzeuge. Die Auswahl ist ebenso groß, wie die Möglichkeiten. Kein Wunder, dass viele Läufer mehrere Paare im Schrank haben. Doch welcher Laufschuhtyp passt für welchen Typ Läufer?

Neutralschuhe: Der leichte Allrounder

Wie der Name schon sagt, sind Neutralschuhe so gebaut, dass sie den Fuß in keinerlei Führung zwingen und ein natürliches Abrollen ermöglichen. Wer seit ein paar Jahren läuft und nie Probleme hatte, darf sich normalerweise zur Gruppe der Neutralläufer zählen. Neutralschuhe sind gut gedämpft und verhältnismäßig leicht, weswegen sie der perfekte Trainingsschuh für die meisten Läufer sind.

Stabilschuhe: Der schwere Allrounder

Wer zu den schwereren Läufern im Lande zählt (80 kg + x) sollte lieber zu einem Stabilschuh greifen. Auch dieser Schuhtyp kommt ohne Führungselemente aus. Der große Unterschied zu einem Neutralschuh besteht in der stärkeren Dämpfung. Außerdem sind Stabilschuhe einen Tick robuster gebaut, weswegen sie auch ein paar Gramm mehr auf die Waage bringen.

Bewegungskontrollschuhe: Nicht immer die beste Lösung

Läufer mit starken Fehlstellungen (Überpronation bzw. Supination) setzen häufig auf einen Bewegungskontrollschuh. In die Zwischensohle eingearbeitete Stützen sollen den Fuß beim Aufsetzen in eine “gesunde“ Position bringen. Das Prinzip ist einleuchtend: Wer überproniert, benötigt einen Schuh mit einer Stütze innen. Wer supiniert, braucht die Stütze außen. Allerdings sind Bewegungskontrollschuhe nicht unumstritten. Immer mehr Biomechaniker und Sportwissenschaftler glauben, dass Bewegungskontrollschuhe die Problematik der Fehlstellung sogar noch verschlimmern können.

Anstatt bei Problemen auf Verdacht auf einen Bewegungskontrollschuh umzusteigen, solltest du besser zunächst einen Sportarzt oder einen Orthopäden konsultieren. Erkennt der tatsächlich einen Hang zu Überpronation oder Supination, ist eine individuell angepasste Einlage – in einem Neutral- oder Stabilschuh getragen – oftmals die bessere Alternative.

Wettkampfschuhe: Kein Muss

Wie der Name schon sagt, sind Wettkampfschuhe für den Einsatz am Tag X gedacht. Dieser Schuhtyp ist vor allem auf Gewichtsersparnis ausgelegt, weswegen bei vielen Modellen auf Dämpfungselemente verzichtet wird. Dass alle Top-Leute auf der Marathonstrecke einen solchen Schuh tragen, sollte dich nicht irreführen. Für einen Hobbyläufer tun es normalerweise auch leichte, bequeme Neutralschuhe – zumal sich der Körper auch erst an das Laufen mit minimaler Dämpfung gewöhnen muss. Ansonsten drohen schnell Überlastungserscheinungen. Wichtig: Im Wettkampf niemals ein brandneues Paar einsetzen. Ein paar beschwerdefreie Läufe solltest du mit deinen Schuhen schon absolviert haben, bevor du sie im Wettkampf einsetzt.

Natural Running-Schuhe: Richtig dosieren

Auf die Gewöhnung kommt es auch bei Natural Running-Schuhen an, die den Laufmarkt seit Jahren überschwemmen. Mittlerweile kommt kein Laufschuhhersteller mehr ohne mindestens ein Modell Natural Running-Schuhe aus. Ähnlich wie der Wettkampf-Schuh, findet man auch beim Natural Running-Schuh verzichten keine Dämpfungselemente. Anders als Wettkampfschuhe, sind Natural Running-Schuhe aber sehr wohl für den dauerhaften Einsatz im Training konzipiert.

Anders als beim “zivilisierten“ Gehen und Laufen, bei dem die meisten Menschen zuerst mit der Ferse aufsetzen, nutzen wir beim Barfußlauf unsere natürliche Dämpfung, indem wir mit dem Ballen zuerst aufsetzen. Dieser Philosophie folgt auch das Natural Running: Eine mittel- bis langfristige Umstellung auf den Ballen- oder Mittelfußlauf solle das Laufen ökonomisieren und zugleich die Verletzungsanfälligkeit verringern. Habe der Läufer das verinnerlicht, benötige er auch keine zusätzliche Dämpfung mehr. Soweit die Theorie. Tatsächlich ist es aber so, dass Muskeln, Sehnen, Gelenke und Knochen Monate oder gar Jahre brauchen, um sich auf das Natural Running einzustellen. Natural Running-Schuhe sollten daher gerade am Anfang dosiert und nur bei kurzen, langsamen Läufen getragen werden. Für Läufer mit mehreren Jahren Erfahrung ist ein Paar Natural Running-Schuhe ein guter Zweit- oder Drittschuh. Manche Läufer bewältigen sogar einen Marathon in FiveFinger & Co. Doch das ist eine Frage der Gewöhnung und des Typs.

Trailrunningschuhe: Profil zeigen

Trailschuhe sind vor allem für Läufe abseits der befestigten Wege konzipiert worden. Wer gerne über Stock und Stein unterwegs ist und auch Pfützen nicht scheut, braucht vor allem im Herbst und Winter ein gutes Paar Trailschuhe. Ihre besonderen Merkmale sind die Steifigkeit, das ausgeprägte Profil und das wasserabweisende Obermaterial – allesamt Eigenschaften, die Regen oder Matsch willkommen sind. Für Läufe auf trockenen Waldwegen oder gar auf Asphalt sind Trailschuhe dagegen kaum geeignet. Aber dafür gibt es ja genug Alternativen (s.o.)…